travel / 15.10.2020

Laax Greenstyle – Skiurlaub und Nachhaltigkeit

Bereits zum zweiten Mal bin ich nach Laax, ins wohl lässigste Skigebiet überhaupt, eingeladen worden. In meinem ersten Beitrag zu Laax könnt ihr bereits einiges zur Destination nachlesen. Dieser Beitrag hier zielt auf das Thema Nachhaltigkeit im Skigebiet ab. Skiurlaub und Nachhaltigkeit. Lässt sich dies überhaupt vereinen oder schließt es sich grundsätzlich voneinander aus?

In Laax hat man erkannt, dass der Klimawandel nirgendwo halt macht. Aus diesem Grund ist die Initiative Greenstyle der Weißen Arena Gruppe entstanden.

| Laax „Greenstyle“

Mit einer Höhe von bis 3.000m gilt das Skigebiet Laax als schneesicher. Doch auch eine andere Sache ist sicher. In den Alpinen Destinationen ist der Klimawandel allgegenwärtig. Er macht sich bemerkbar. Im Vergleich zum weltweiten Durchschnitt steigen hier oben in den Bergen die Temperaturen doppelt so schnell an. Gletscher schmelzen rasant, die Schneefallgrenze steigt und die Saison verschiebt sich und wird von Jahr zu Jahr kürzer.
Deshalb will Laax mit seinem Nachhaltigkeitskonzept „Greenstyle“ zur ersten selbstversorgenden und CO2- neutralen alpinen Destination werden.
Um diese Vision zu verwirklichen wurde ein 7-Punkte-Plan entwickelt. Er beinhaltet z.B. die Maximierung der Energieeffizienz, den Ausbau erneuerbarer Energien sowie die Speicherung dieser und die Elektromobilität.
Von einigen Punkte auf dieser Liste konnten wir uns selbst ein Bild machen. Darüber hinaus wird hier in Laax aber noch einiges mehr gemacht, um nachhaltiger zu werden.

| Energie und Strom

Die größten Einsparungen beim Energieverbrauch liegen im Gebäudebestand. Durch CO2-neutrale Wasserkraft aus der Schweiz und Solaranlagen am Berg ist der in Laax genutzte Strom bereits heute zu 100 % aus erneuerbarer Energien gewonnen und damit unabhängig von fossilen Brennstoffen.
Neue Gebäude werden so konzipiert, dass deren Energiebilanz am Ende des Jahres positiv ist. Heißt: sie gewinnen mehr Energie als sie von außen beziehen. Diese sogenannten Plus-Energie-Gebäude gewinnen diese Energie durch Solar- und Fotovoltaikanlagen. Neubauten werden sofort mit diesen thermischen Anlagen ausgestattet und bereits bestehende Gebäude energetisch saniert, sprich umgerüstet.
Neue Seilbahnen sind durch Direktantrieb energieeffizienter und leiser. Die von den Motoren erzeugte Wärme wird ebenfalls genutzt. Sie verpufft nicht in der Luft, sondern wird durch spezielle Wärmerückgewinnungsanlagen in Heizenergie und Brauchwasser umgewandelt.

| Schneemanagement

Stets den vollen Pistenspaß zu garantieren ist bei 224 Pistenkilometern eine große Herausforderung. Auch hier ist man in Laax technisch gut aufgestellt. Um so effizient wie möglich bei der Präparation der Pisten arbeiten zu können, kommt eine 3D- Schneehöhenmessung zu tragen. Dadurch kann zentimetergenau bestimmt werden, wo wie viel Schnee liegt und an welchen Stellen genau technischer Schnee benötigt wird.
Aktuell kommt in Laax auch ein Hybrid-Pistenbulli zum Einsatz. Die Flotte der Schneekatzen ist auf dem höchsten technischen Stand und macht effizientes Präparieren der Pisten möglich.

| Mülltrennung am Berg

Reduce, reuse, recycle. So lautet das Motto auch am Berg. Weil auch unser Abfall wertvolle Ressourcen enthält und unglaublich viele Emissionen bei der Herstellung freisetzen, sind an den Bergstationen Müllstationen aufgestellt worden. So landen PET-Flaschen, Aluminium und Papier getrennt voneinander im Abfall und können so einfacher recycelt werden.

Im Riders Hotel können jeden Dienstag defekte Kleidungsstücke in die Hände von professionellen Näherinnen gegeben werden. So wird die Skihose, Jacke oder Jeans kostenlos repariert und kann eine, zwei oder mehr Saisons weiter getragen werden. Die Lieblingshose bleibt so noch länger erhalten und es können eine Menge Ressourcen eingespart werden. Jede Saison neue Skikleidung muss nicht sein. In den meisten Fällen kommt bei der Herstellung unserer Hightech Bekleidung Chemie zum Einsatz und die Arbeitsbedingungen sind mehr als schlecht.
Da ist so ein kostenloser Reparaturservice eine sehr coole Sache. Zu gerne hätte ich diesen für meine Skijacke in Anspruch genommen.

| Das Nachhaltigkeitsversprechen des Riders Hotel

Das Riders Hotel gibt ein Nachhaltigkeitsversprechen für maximale Energieeffizienz, 100 % erneuerbare Energien sowie Zero Waste. Ich selbst nutze an dieser Stelle lieber die Beschreibung „less waste“ denn 100% zero waste sind wohl eher utopisch. Umgesetzt wird dieses Versprechen zum Beispiel durch ein Pilotprojekt mit Begrünung des Daches und darauf angebrachte vertikale Solarpanels. Durch die Begrünung finden Insekten einen Lebensraum und zudem bietet sie Kühlung im Sommer und Isolierung im Winter.

Das sich unsere Ernährung auf das globale Klima auswirkt, hat man im Riders Hotel ebenfalls erkannt. So ist das Restaurant z.B. das Erste in Laax mit vegetarisch/veganer Speisekarte. Um die Lebensmittelverschwendung in der Gastronomie zu kontrollieren und einzudämmen, hat das Team eine Kamera über dem Mülleimer installiert. Dahinter steckt ein Foodwaste-Management System. Dieses analysiert auf Basis des Kameramaterials welche Lebensmittel entsorgt werden und hilft so dabei, effektiver und schönender mit Ressourcen umzugehen.
Erste Maßnahmen sind dadurch bereits am Frühstücksbuffet vorgenommen worden. Lebensmittel die in der Vergangenheit häufiger entsorgt wurden, sind aus dem Angebot genommen worden oder werden in kleinerer Menge aufgetischt.
Im Restaurant durften wir dem jungen Küchechef bei der Arbeit zusehen und uns geschmacklich von seinem Talent überzeugen lassen. Das Risotto und das Dessert aus Pastinakencreme waren grandios.
Am Abend durften wir dann noch den coolen Sound von Gian lauschen. Elektromusik aus Basel. Cooler Typ und coole Musik ganz nach meinem Geschmack.

| Restaurants in Laax

Im Casa Veglia ist es sehr gesellig wenn gleich für meinen Geschmack die Musik ein wenig zu laut war. Der Kartoffelrösti und das leckere Ofengemüse haben dafür aber entschädigt. Hier trifft sich wer Après Ski und Gemühtlichkeit miteinander verbinden möchte.

Das Stalla auf der Alp Nagens

Geschmacklich sind wir auf dieser Reise voll auf unsere Kosten gekommen. Das Stalla auf der Alp Nagens bietet Speisen aus saisonalen und regionalen Bio Produkten an. Auch vegetarische und Vegane Speisen stehen auf der Karte. Die Kaprunsuppe kann ich sehr empehlen.
Wer Käse liebt, wählt ein Fondue welches mit hausgemachtem Käse direkt am offenen Feuer zubereitet wird. Die Atmosphäre im alten Stall ist schön und sehr gemütlich.

| Capalari am Grap Sogn Gion
Im Capalari kommen einheimische Mahlzeiten auf den Tisch. Einfach aber unfassbar lecker. Die hausgemachten Ravioli waren grandios. Die Portion war mir allerdings schlichtweg zu groß. Dabei habe ich schon über den Hunger hinaus gegessen. Absolut empfehlenswert.

| Laax Galaaxy

Was ist das für ein abgefahrener Ort hier oben über den Gipfeln. Stylisch, bunt und einfach abgespaced. Die Laax Galaaxy. Ganz nach meinem Geschmack. Von der Einrichtung bis hin zu alle den echten Pflanzen die hier überall hängen und stehen. Wer nach der Auffahrt mit der großen Gondel eine stinknormale Bergstation erwartet der hat weit gefehlt.
Die Galaaxy ist Dreh- und Angelpunkt im Skigebiet. Die über 50 Jahre alte Berstation beinhaltet ein Hostel, eine Eventlocation,  zwei Restaurants, eine Bar, sowie ein Coworking Space und Tattoostudio. Also das ist doch wohl abgefahren!

Mit Laptop und Ski hoch auf die Galaaxy, ein paar Stunden arbeiten, kreativ werden und dann ab auf die Piste. Wie cool ist das bitte? Sowohl Firmen als auch Privatleute können sich hier einen Arbeitsplatz mieten. W-Lan, Getränke und Snacks sind im Mietpreis inbegriffen.
Hier oben zu arbeiten könnte ich mir sehr gut vorstellen. Wenn ne Schreibblockade mich vom Arbeiten abhält, dann kurz auf die Piste und neue Kreativität schöpfen. Weiter gehts. Richtig cool.

| Rocksresort

Untergekommen sind wir übrigens im Rocksresort. Ich mag das Apartment Hotel. Es ist schlicht und doch so stilvoll und gemütlich eingerichtet.
Das Resort liegt direkt an der Talstation Laax und wurde aus regionalen Materialien, recht naturnah gebaut. Alle Gebäude entsprechen zudem den höchsten Energieeffiziensstandards der Schweiz. Eine riesige Pelletheizungsanlage versorgt das Resort mit Wärme und der Storm wird wie schon geschrieben, aus regionaler Wasserkraft gewonnen.

Angeordnet sind die einzelnen Gebäude übrigens wie zufällig herabgestürzte Felsen. Der Flimser Bergsturz vor über 10.000 Jahren war hier Inspiration dazu. Er formte auch die heutige Landschaft in Laax.

| Anreise nach Laax

Das Skigebiet ist sehr gut an die Öffentlichen Verkehrsmittel angebunden. So bin ich von Koblenz aus mit dem Nachtzug nach Basel gefahren. Einmal bin ich umgestiegen und dann in Chur mit dem Postbus weiter bis direkt zum Hotel gefahren. Alles Reibungslos ohne Verspätungen oder Problem. Der Postbusbahnhof liegt direkt an den Gleisen in Chur und man kann ihn kaum verfehlen.
Vor allem die zahlreichen, mit dem Auto anreisenden Urlauber, verursachen den größten Anteil an CO2 Emissionen. Auf einen einwöchigen Urlaub bezogen, entfallen über 70% der CO2 Emissionen auf die An- und Abreise. Auf Bus und Bahn umzusteigen spart also eine ganze Menge CO2.

Wie nachhaltig ist es also in den Skiurlaub zu fahren? Nun wenn man einige Dinge beachtet, dann kann man dies schon noch tun. Es sollte sich aber über die Dauer des Aufenthalts Gedanken gemacht werden, genauso wie über eine möglichst nachhaltige Unterkunft. Sich nicht Abseits der Piste und schon gar in Schutzzonen zu bewegen sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Außerdem benötigt man auch nicht für jede Saison neue Bekleidung, die in der Herstellung viele Ressourcen verbraucht. Reuse, Repair, Reduce.

 

Vielen Dank an Ad Publica  für die Einladung!

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