natürlich unverpackt Münster
people / 07.12.2015

natürlich unverpackt Münster – Interview

Am 6. November hat in Münster der erste verpackungsfreie Supermarkt eröffnet – der natürlich unverpackt Münster. Vor der Eröffnung habe ich die Gründerin Anja Minhorst besucht, um ihr ein paar Fragen zu stellen. Das Resultat gibt`s heut in Interviewform in unserer neuen Kategorie „People“.

Als ich zum ersten Mal den Laden betrete riecht es nach frischem Holz. Draußen wird grad ein großes Schild angebracht und irgendwie kann ich mir in diesem Moment noch nicht so recht vorstellen, dass hier in knapp einem Monat der erste verpackungsfreie Supermarkt Münsters eröffnen soll. Ich bin hier, um mich mit Anja Minhorst, der Gründerin des Ladens zu treffen und ihr ein paar Fragen zu stellen!

Frau Minhorst, wie sind Sie auf die Idee gekommen einen verpackungsfreien Supermarkt zu eröffnen? 
Das erste Mal von dieser Idee habe ich vor circa einem Jahr gelesen. Ich saß bei meiner Hausärztin im Wartezimmer und habe den Spiegel durchgeblättert. Dort war ein Bericht über den ersten verpackungsfreien Supermarkt in Berlin drin. Plötzlich durchzuckte es mich und ich dachte DAS MUSS ICH AUCH MACHEN. Das ist eine super Idee. Ich wollte schon immer im Umweltschutz arbeiten. Kaufe selber schon seit 30 Jahren im Bioladen und es war mir schon immer wichtig, wo die Produkte herkommen und dass faire Preise an Lieferanten und Erzeuger gezahlt werden.

Was haben Sie vor der Umsetzung dieser Idee gemacht?
Ich habe vorher in so ziemlich allen Bereichen gearbeitet. Ich habe Diätassistentin gelernt. Dann habe ich im Krankenhaus als Diätassistentin gearbeitet. Das habe ich nicht lang gemacht, weil es mir nicht besonders gut gefallen hat. Daraufhin war ich Köchin in einer Vollwertküche in einem Lokal, wo viele Studenten gegessen haben. Da habe ich mir immer gedacht, dass es schön wäre noch mal zu studieren. Irgendwann habe ich mir ein Herz gefasst und Biologie studiert. Aber wie das so ist mit den Biologen, die können am besten Taxifahrer werden. Ich bin Busfahrerin geworden. Irgendwann als ich dann auf die 40 zuschlitterte, habe ich mir gedacht „So und jetzt musst du mal was werden“. Ich rutschte dann irgendwie in die Pharmaberatung. Danach war ich eine Weile arbeitlos und bin dann wieder zurück in den Ursprungsberuf als Diätassistentin gegangen. Und irgendwie hat mich Nichts davon jemals zu Frieden gestellt, bis ich im letzten Jahr diesen Artikel las.

Was waren die ersten Schritte nach dem Sie beschlossen hatten die Idee wirklich umzusetzen?
Ich habe ein Existenzgründerseminar besucht. Ich hatte wahnsinnige Angst, dass ich das alles nicht hinbekomme. Im Semiar habe ich einen gut recherchierten Businessplan ausgearbeitet, der mir gesagt hat, dass es klappen kann. Ich bin jetzt fast 50, Single und habe keine Kinder. Ich habe quasi nichts zu verlieren. Und ich kann was bewegen und jedem Münsteraner einen verpackungsfreien bzw. verpackungsarmen Einkauf ermöglichen und das ist einfach ein sehr schönes Gefühl.

Gab es irgendwelche Hürden in den letzten Monaten?
Die größte Hürde ist, dass es mein erster Laden ist und ich alles neu erfinden muss. Wer baut mir was? Wo krieg ich die Sachen her? Man denkt sich man stellt ein paar Regale rein für die Lebensmittel und dann läuft das schon. Aber so einfach ist es nicht. Man macht alles zum ersten Mal und muss sich in alles einarbeiten.
Und sonst nur normale Ärgerlichkeiten, wie dass Handwerker mir hier einen Saustall hinterlassen, so dass ich erst mal 2 Tage den ganzen Laden putzen muss. Oder die Telekom, die nicht kommt und ich kein Telefon und Internet habe. Das sind so die kleinen Dinge, die einem das Leben schwer machen.

Warum haben Sie sich für Crowdfunding als Finanzierungshilfe entschieden? 
Ich habe die Crowdfunding-Aktion für Berlin verfolgt und war überwältigt. Die Illusion, dass es so viel werden wird,  wie in Berlin habe ich mir nicht gemacht. Als ich mich mehr damit beschäftigt habe war mir nämlich schnell klar, so viel generierst du damit garnicht. Ich habe mich eher damit bekannt gemacht in Münster und das ist ein unglaubliches Plus. Ich habe durch die Kampagne schon so viel positives Feedback bekommen von so vielen Menschen und das in dieser Phase, wo man glaubt man schafft das alles nicht. Das ist wirklich wertvoll. Ich habe gemerkt die Leute unterstzützen mich und nicht nur finanziell. Diese Motivation zählt für mich viel mehr.

Warum grad Münster als Standort? 
Ich habe in Oldenburg studiert und die Stadt hat mir einfach so gut gefallen. So viele Fahradfahrer und Studenten. Ich habe vorher in Düsseldorf gewohnt. Dort war es mir einfach zu groß. Münster ähnelt Oldenburg sehr. Und ich wollte schon immer in Münster wohnen und das hat jetzt geklappt.

Wie würden Sie einem Münsteraner das Prinzip ihres Ladens erklären?
Wir verkaufen überwiegend Bio-Lebensmittel im Großgebinde. Man kann eigene Behältnisse mitbringen oder bei uns Schraubgläser, Weckgläser oder Baumwollzuziehbeutel kaufen. Man kann sich genau so viel abfüllen wie man braucht, das Gewicht des Behälters wird an der Kasse abgezogen und man bezahlt nur die Menge die man kauft. Das spart viel Müll und auch Geld. Es gibt bei uns eigentlich alles, was es im herkömmlichen Supermarkt auch gibt, nur nicht in der breiten Auswahl. Wir haben Trockenware, Käse- und Milchprodukte, Obst und Gemüse, Brot und Backwaren, Pflegeprodukte wie Gesichtscreme, Deo,  oder Duschgeld und auch Produkte wie Waschmittel und Spülmittel. Auch Bier, Wein, Tee und Kaffee bekommt ihr bei uns. Außerdem gibt es eine Bistroecke mit ein paar Tischen. Man kann dort sitzen und Kaffee trinken und jeden Mittag gibt es ein Süppchen.

Woher kommen die Produkte? Sind sie regional bezogen?
Ja, so gut z.B. Bananen regional sein können. Wir haben einen regionalen Milchbauern. Einen regionalen Obst- und Gemüselieferanten gibt es schon. Auch die Käse- und Milchprodukte sind aus der Region. Auch verkaufen wir Pinkus Bier und Apfelsaft vom Nabu. Ansonsten gibt es einen Großlieferanten, der seine Produkte natürlich auch aus der Region bezieht und den Erzeugern faire Preise bezahlt. Das ist ja in der Biobranche sowieso viel besser als in der normalen Branche, aber selbst da muss man gucken, welchen Lieferanten man nimmt. Denn auch hier ist es mir wichtig transparent und fair zu bleiben.

Vielen Dank an Frau Minhorst für dieses Interview und viel Erfolg für ihren weiteren Weg. Den natürlich unverpackt Supermarkt findet in Münster an folgender Adresse: 

natürlich unverpackt

Warendorferstr. 63
48145 Münster

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9 Comments

  • Reply Ines 07.12.2015 at 8:41

    Das ist eine super Idee! Schade, dass dieses Konzept noch nicht so verbreitet ist, denn mit solchen Ideen kann man die Welt wie ich finde ein Stückchen besser machen.

    Ines – twashion.com

    • Reply Sabrina 09.12.2015 at 12:20

      Ja das stimmt, aber vielleicht motivieren solche Artikeln ja noch mehr Leute ihre Ideen umzusetzen 🙂

  • Reply Nissi Mendes 07.12.2015 at 9:01

    Ein wirklich, wirklich toller Post und was für eine sinnvolle Idee!
    Nicht selten nerve ich mich ab die unnötige Verpackungen.

    ♥ Nissi
    http://www.nissimendes.ch

    • Reply Sabrina 09.12.2015 at 12:21

      Danke sehr!!

  • Reply Henni 07.12.2015 at 13:50

    Schöne neue Kategorie <3 Ich liebe Interviews und kann der lieben Anja nur ganz viel Glück und Erfolg wünschen für ihren mutigen Schritt und die tolle Idee. Der Laden in Berlin boomt und ich wünsche Münster das Selbe. So eine schöne Idee gehört einfach umgesetzt <3

    • Reply Sabrina 09.12.2015 at 12:22

      Och Henni du Schatz!

  • Reply Kati 07.12.2015 at 14:39

    das hört sich wirklich super an, da werde ich auf jeden fall mal reinschneien:)
    liebst kati <3

    • Reply Sabrina 09.12.2015 at 12:25

      Ja mach das du wirst begeistert sein 🙂

  • Reply Katta 09.12.2015 at 11:30

    Ich finde den Laden super. Besonders die Tagessuppen gefallen mir immer sehr <3

    Allerliebste Grüße,
    HOLYKATTA

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